Stgt-Möhringen - Martinskirche

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Stgt-Möhringen - Martinskirche

Eine sehr schön gestaltete Website der Kirchengemeinde gibt umfassend Auskunft über die Martinskirche. Über die Geschichte der Martinskirche ist dort zu lesen:

" Von dem Aussehen der Möhringer Martinskirche können wir uns erst seit den Neu- und Umbauarbeiten in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts ein Bild machen. An einen älteren, romanischen Vorgängerbau erinnern lediglich noch die beiden Säulen, die heute die Innenseite des Spitalhoftores zieren.
In der Mitte des 15. Jahrhunderts war die Kirche so baufällig geworden, dass eine Erneuerung erforderlich wurde. Nachdem 1459 sogar der Kirchturm einstürzte, wurde mit dem Baumeister der Esslinger Frauenkirche, Hans Böblinger, ein Vertrag zu dessen Neubau geschlossen. Die vermutliche Fertigstellung zeigt ein Schlussstein des unteren Turmgewölbes, der die Zahl 1466 trägt. Zwei Jahre danach erhielt der Turm eine neue Glocke, auch das spätgotische Netzgewölbe im Chor stammt aus dieser Zeit. Die beiden Epitaphe befanden sich zu dieser Zeit noch unten am Turm, erst Christian F. Leins hat sie Ende des 19. Jahrhunderts in die Südwand des Chors eingebaut.
Ende des 16. Jahrhunderts wurden im Innenraum der Kirche wichtige Verbesserungen vorgenommen. Die Jahreszahl 1595 über der Tür zur Sakristei erinnert an das Jahr, in dem der neue Taufstein eingeweiht und vermutlich auch die Orgel auf der Empore errichtet wurde. In jene Zeit fiel auch der Bau der Empore auf der die Männer dem Gottesdienst beiwohnten während Frauen und Kinder unten Platz nahmen.
Die alte Möhringer Kirche wurde im Lauf des 19. Jahrhunderts für die langsam aber stetig anwachsende Kirchengemeinde zu klein. Neubaupläne kamen auf, die durch die Baufälligkeit des Turmes angeregt wurden. Trotz erheblicher Probleme bei der Finanzierung wurde 1852/53 der Kirchturm erneuert. Eine neugotische Steinspitze mit gusseiserner Pyramide und Laterne trat an die Stelle der oberen Fachwerkkonstruktion des alten Turms mit dem Satteldach. Auch das große Westportal mit dem darüber liegenden Fenster wurde erst jetzt erschaffen.
Dem Bau des neugotischen Kirchenschiffs 1853 bis 1855 mit seinen hohen Emporen und Gewölben lagen dann Pläne des bekannten Baumeisters Christian Leins zugrunde. Beim Abbruch der alten Kirche im Jahr 1853 wurde die Renaissancekanzel aus der Zeit 1595 stammend, abgebaut und beiseite gestellt. Nach einer Bauzeit von nur 19 Monaten konnte das im Volksmund Filderdom genannte Gotteshaus am 11. November 1855 - dem Namenstag des Kirchenheiligen Sankt Martin - seiner Bestimmung übergeben werden.
Trotz aller äußerer Pracht traten schon nach kurzer Zeit bauliche Mängel offen zutage. Die Kosten für den laufenden Unterhalt wurden ein kaum zu lösendes Problem für die Gemeinde. Sämtliche Versuche, den Zerfall der Kirche aufzuhalten blieben Flickwerk so, dass das gesamte Gebäude bereits 1935 generalüberholt werden musste. Am 20. Oktober 1935 konnte die neuerliche Einweihung stattfinden.
Neun Jahre nach Abschluss der Renovierungsarbeiten an der Martinskirche wurde das Gebäude in der Nacht vom 15. auf den 16. März 1944 durch einen Luftangriff der Alliierten praktisch vollständig zerstört. Bereits 4 Jahre später konnte nach der Währungsreform im Juni 1948 mit dem Wiederaufbau begonnen werden, wobei sich die Verbundenheit der Möhringer mit ihrer Kirche in einer fast "undenkbaren eigeninitiativen Tätigkeit" äußerte. Am 16. Oktober 1949 wurde das wiederhergestellte Gotteshaus geweiht. Infolge der Wirtschaftslage der Zeit konnte die Kirche nur vereinfacht restauriert werden. Äußerlich machte sich das an der vereinfachten Turmspitze bemerkbar, im Inneren musste vor allem auf die hochgemauerten, alten Gewölbe verzichtet werden. Eine eingezogene Holzdecke trennt seither die zweite Empore vom heutigen Kirchenraum ab.
Ende des 20. Jahrhunderts waren Schäden an der Außenfassade sowie an den Dächern der Kirche kaum mehr zu übersehen. Nachdem die laufenden Unterhaltskosten für notwendige Sanierungsarbeiten stark angestiegen waren hat die Gesamtkirchengemeinde Möhringen Ende 2000 eine Außensanierung der Kirche beschlossen. Bereits Ende 2002 konnten in einem 1. Bauabschnitt die Arbeiten am Chor der Kirche abgeschlossen werden. 2004 folgten die Arbeiten am Turm. Dank der großen Spendenbereitschaft der Möhringer Bürger konnten auf den Giebeln der 4 Schallläden Kreuzblumen errichtet werden, die an das Erscheinungsbild des "Filderdoms" vor dem Krieg erinnern."

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In dem fast 1000 Seiten umfassenden Kompendium "Der evangelische Kirchenbau im 19. Jahrhundert - die Eisenacher Bewegung und der Architekt Christian Friedrich von Leins" von Eva Maria Seng wird auch die Martinskirche auf S. 436 bis 450 mit zahlreichen Abbildungen (154 - 161) gewürdigt. (1995 im Ernst Wasmuth Verlag Tübingen/Berlin erschienen).
Mit Staunen und fassungslosem Unglauben liest man von den Auseinandersetzungen in der Mitte des 19. Jahrhunderts zwischen "Möhringen" und dem Katharinenhospital in Esslingen, das seit Ende des 13. Jhdts Besitzer war. Der Streit zwischen den Oberämtern / Oberamtsmännern Stuttgarts und Esslingens mit dem Stiftungsrat / Dekan u.a., vielfach vor Gerichten und durch alle Instanzen ausgetragen über Jahre und Jahrzehnte hinweg bezüglich Form / Größe / Ausstattung der neu zu bauenden Kirche und der Kardinalfrage, wer wieviel an den Kosten zu tragen habe, liest sich wie ein Schmierenroman (aber höchst lesenswert)...

Ebenso sei die Darstellung Möhringens und der Martinskirche sehr empfohlen, zu finden in
Beschreibung des Oberamts Stuttgart

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Über den Wiederaufbau nach der Zerstörung im März 1944 berichtet sehr anschaulich Pfarrer i.R. Gerhard Benz anläßlich der Feier des 50jähringen Wiederaufbaues im Oktober 1999. Vortragstext auf der Website der Kirchengemeinde.

Siehe auch: Werkbericht zur Renovierung der Martinskirche 2007 von Gergs & Blum, Partnerschaft freier Architekten

Informationen auf www.kirchbau.de

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Im Jahr 2008 wurde die Turmhalle restauriert und an der linken Seite eine Schautafel angebracht, in welcher die Geschichte der Martinskirche skizziert wird:

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Stgt-Möhringen - Martinskirche

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Hieraus die Chronik der Martinskirche:

8. Jhrd. Holzkirche: Die Martinskirche in Möhringen zählt zu den christlichen Urkirchen des Landes. Ursprünglich bestand sie vermutlich aus einem einfachen Holzbau zu Ehren des Bischofs Martin von Tours.
1459 Romanische Kirche: Einsturz einer nachweisbar romanischen Kirche. Zwei Säulen dieses Gebäudes werden in das Tor zum Spitalhof eingebaut.
1460-66 Gotische Wehrkirche: Neubau des Turms als Wehrturm und des Chores mit einem Netzrippengewölbe. Baumeister: Hans Böblinger aus Esslingen. Eine 20 – 25 Fuß (5,70 – 7,15 m) hohe Mauer mit Schießscharten, innerem Wehrgang und ein Graben umschließen den Kirchhof.
1532 Einführung der Reformation in Möhringen durch Ullrich Villinger.
1595 Evangelische Predigtkirche: Umbau in eine evangelische Predigtkirche. Einbau einer Kanzel und Aufstellung eines Taufsteins.
1598 Einbau einer Empore
1826 Verlegung des Kirchhofs in den „Alten Park“.
1840 Abbruch der Wehrmauer.
1852 Neubau des Glockenhauses aus Sandstein, Turmhöhe 63 m. Architekt: Christian Friedrich Leins.
1853-55 Dreischiffige Basilika: Neubau aus Sandstein in Form einer dreischiffigen Emporenbasilika mit Kreuzrippengewölben. Die eingebundenen Bauteile aus den Jahren 1460-66 werden außen durch verputzte Oberflächen gekennzeichnet. Architekt: Christian Friedrich Leins.
1884 Verstärkung der Fundamente. Ersetzung der Ziegeldeckung über dem Dach und den Schiffen durch ein Zinkrautendach.
15./16.03.1944 2. Weltkrieg: Die Kirche brennt nach einem Bombenangriff bis auf die Umfassungsmauern nieder.
16.10.1949 Wiederaufbau: Einweihung der in schlichter Form wieder aufgebauten Kirche. Anstelle des Kreuzrippengewölbes wird eine trapezförmige Holzdecke eingebaut. Architekt: Hans Seytter. Deckenmalerei: Rudolf Yelin.

04.10.1952 Glocken: Neben der Kreuzglocke, die von nach Amerika ausgewanderten Möhringern gespendet worden war, werden drei weitere Glocken aufgehängt:
Glocke / Ton / d in cm / kg
Kreuzglocke / fis / 109 / 840
Taufglocke / gis / 97 / 560
Betglocke / E / 122 / 1140
Dominika / cis / 146 / 1589

1955 Walker-Orgel mit 26 Registern

2001-2007 Restaurierung

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Grundriss der Martinskirche

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Hauptportal

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Hauptportal - Detail: Der Heilige Martin auf dem Pferd, teilt seinen Mantel mit dem Bettler

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Innen (1)

Schiff,  Taufstein, Kanzel, Altar 

^ Seitenanfang · > 2 Chor, Kreuzrippengewölbe, Fenster · Crucifix

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Innen (2)

Chor, Kreuzrippengewölbe, Fenster · Crucifix 

^ Seitenanfang · > 3 Schiff Blick nach Westen, Orgel, Decke · Vorraum Kreuzrippengewölbe

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Sakristeitüre

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Kreuzrippengewölbe im Chor

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Kreuzrippengewölbe im Chor: Schlußstein St. Martin

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Der Einbau der eindrucksvollen farbigen Chorfenster mit Szenen aus den Evangelien und der Apostelgeschichte, entworfen von Prof. Yelin und gefertigt von der Kunstglaserei Sailer in den Jahren 1960 und 62, können als die Krönung des Wiederaufbaus angesehen werden. Sie lenken den Blick der feiernden Gemeinde zum Licht des auferstandenen Christus.
Quelle: Vortrag von Pfarrer i.R. Gerhard Benz anläßlich der Feier des 50jähringen Wiederaufbaues im Oktober 1999.

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Innen (3)

Schiff Blick nach Westen, Orgel, Decke · Vorraum Kreuzrippengewölbe 

^ Seitenanfang

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Informationen zur Orgel

Beim Wiederaufbau der Martinskirche wurde von Anfang an auch an den Einbau einer neuen Orgel gedacht. Schon 1948, also ein Jahr vor Fertigstellung der Martinskirche nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg, wurde mit der Planung der neuen Orgel begonnen.
Schon am Weihnachtsfest 1951 wurde die neue Orgel, gebaut von der Orgelbaufirma E. F . Walcker & Cie, Ludwigsburg, eingeweiht und von der Gemeinde freudig begrüßt. Freilich war diese zunächst nur ein Teilbau mit nur 2 Pedalregistern sowie den Registern des Hauptwerks. 1955 wurden dann die fehlenden Register des Pedal- werks sowie das Positivwerk eingebaut.
Der Orgelsachverständige Kirchenmusikdirektor Walther Lutz, der die Orgel 1955 abnahm, stellte dazu schon grundsätzlich fest, dass „bei der Größe der Kirche eigentlich eine dreimanualige Orgel angebracht wäre, ein derartiges Werk würde dem ‚Filderdom‘ wohl anstehen.“
Die Orgel der Martinskirche hat in den Folgejahren ihren Dienst gut getan, auch wenn die baulichen Mängel und die gravierenden Probleme, die durch die Materialien der Nachkriegszeit bedingt waren, nicht grundsätzlich behoben werden konnten.
Stets wurde überlegt, wie man die Orgel mit geringstmöglichem Aufwand in einen sinnvollen Zustand bringen könne. So wurde 1989/90 die Orgel wieder technisch instandgesetzt. In diesem Zusammenhang musste der Spieltisch samt Klaviaturen neu eingebaut werden und auch die Pedaltraktur wurde teilweise erneuert.
1994 waren wiederum größere Reparaturen an den Windladen, dem Schwellwerk sowie dem Pedalwerk nötig, da – wie der heutige Orgelsachverständige Volker Lutz sagt – „die ursprüngliche Konstruktion – und die des 1989 reparierten Hauptwerks fehlerhaft war.“
2004 – in der Zeit der Außenrenovierung – kam erneut die drängende Frage auf, wie man mit der reparaturbedürftigen Orgel weiterverfahren wolle. Man entschloss sich, der Außenrenovierung der Martinskirche den Vorrang zu geben und baute eine elektronische Setzeranlage ein, wobei am Spieltisch nur die allernotwendigsten Änderungen ausgeführt wurden. Auch die Schleifendichtungen des Hauptwerks und des Schwellwerks wurden aus Kostengründen nicht ersetzt. Auch für den Laien wird in dieser Aufstellung deutlich, dass immer wieder überlegt wurde, wie die Orgel in der Martinskirche spielbereit gehalten werden könne. Leider jedoch können wir nicht weiterhin so verfahren.

Der Kirchengemeinderat hat sich mit der Orgel befasst und möchte mit dieser Stiftung die Basis schaffen, eine neue Orgel bauen zu können. Die neue Orgel wird etwa 800.000 Euro kosten. Da es für eine Orgel keine Zuschüsse aus der Kirchensteuer gibt, müssen die gesamten Kosten vollständig durch Spenden und Stiftungen aufgebracht werden.
Ernst-Martin Lieb

Quelle: Broschüre „Evangelische Orgelstiftung MusicaSacra“ (2012)

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Vor Weihnachten 2008 konnte die Renovierung und Neugestaltung der Turmhalle der Martinskirche abgeschlossen werden. An den Wänden ist nun die lange Geschichte der Kirche kurz und prägnant dargestellt.
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Bei der Renovierung gab uns das Deckengewölbe so manche Frage auf, die nicht vollständig gelöst werden konnten. Der Schlussstein des nun nach mittelalterlicher Farbgebung wieder restaurierten Gewölbes trägt die Jahreszahl 1466. Doch alle uns bekannten schriftlichen Quellen bis etwa 1955 sprechen davon, dass der Turm ebenfalls 1464 fertig gestellt worden sei.

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Stuttgart-Möhringen - Impressum

Evangelische Martinskirche fotografiert am 10.08.2011 + 03.05.2013
(c) 2014 Foto-Kunst Andreas Keller - Ehrenhalde 14, 70192 Stuttgart
Auf Kirchen-Online veröffentlicht am 14.01.2014

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