Ilanz - St. Martin

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Ilanz - Alte Evang. Kirche St. Martin

"Die Kirche St. Martin steht 80 m oberhalb von Ilanz. Sie diente vom 8. bis 15. Jh. als Pfarrkirche für Ilanz und die östliche Mundaun-Region.
Urkundlich ist sie im 765 im Tello-Testament und 831 unter karolingischen Reichsgütern erwähnt.
Von einer Malerei des ‚Waltensburger Meisters' von ca. 1330 sind nur spärliche Reste erhalten.
Am Standort der heutigen Kirche ist bereits um 765 ein Gotteshaus und ein dazu gehöriger Gutshof samt Verwaltungssitz bezeugt. Vor 1050 wurde die kleine Saalkirche aus fränkischer Zeit dank königlicher Privilegien nach Westen verlängert und erhielt im Osten eine Apsis. Im Nordwesten wurde ein Turm angebaut.
Ca. 1300 wurde die Kirche um 2 Seitenschiffe und einen gewölbten Chor erweitert. Die Seitenschiffe waren vom Mittelschiff durch 2 Arkaden getrennt, der Bogenansatz ist an den Kapitellresten in der Wand oberhalb der Kanzel noch erkennbar, die Basis der beiden Rundsäulen ist unter dem heutigen Estrich im Boden noch erhalten. Die romanische Kirche hatte in der Regel keine Zwischendecke, sondern war bis zur Dachschalung offen; allenfalls trugen die waagrechten Balken einen sog. Streifenboden (lose Bretter).
Ca. 1330 erhielt die romanische Kirche aus der Hand des ‚Waltensburger Meisters' ein Fresko im Chor sowie außen am Turm ein Marienbild. (Es ist unwahrscheinlich, dass in diesem Zusammenhang das romanische Chorfenster vergrößert und das heutige Gewölbe eingezogen wurden).

Einen weiteren Umbau erfuhr die Kirche 1448, als der Chor (neu?) eingewölbt und in Verlängerung der Seitenschiffe die nördliche und südliche Chorkapelle auf ihrem heutigen quadratischem Grundriss errichtet wurden - in dieser Form können sie kaum schon Teil der romanischen Erweiterung sein. Die südliche Seitenkapelle hat ein Rundfenster ein eventuell vorhandenes Maßwerk ist spätestens bei der Renovierung im 17. Jh. verfallen gewesen oder entfernt worden.
Das Rundfenster der nördlichen Seitenkapelle ist mit einem 6-zackigen, etwas aus der Horizontalen gedrehten Stern geziert
(Numeri 24: „Es wird ein Stern aus Jakob aufgehen..." und Matth 2 „Der Stern, den die Weisen im Morgenland gesehen hatten...").
Das lässt darauf schließen, dass die Ausstattung der Kirche mit drei oder mehr Altären einem bestimmten Programm gefolgt ist, das wir heute nicht mehr kennen.
Mit Beginn der Reformation in Ilanz im Jahr 1526 wurde die soeben erst wiederhergestellte Margarethenkirche in Ilanz zur Pfarrkirche der Gemeinden llanz, Strada, Luven und Flond erhoben. Luven aber löste sich aus der Pastorationsgemeinschaft. Infolge dessen erhielt die St. Martin-Kirche weniger Beachtung und Pflege.

Die Renovierung von 1662ff:
Die reformierte Gemeinde Ilanz-Strada-Flond hatte jedenfalls wenig Interesse an der Erhaltung der Malerei im Chor. Bis auf wenige Reste wurde das Fresko zerstört, als die Chorwand im 17. Jh. durchbrochen wurde und den heutigen nischenförmigen Anbau nach Osten erhielt. Eine große Menge von abgeschlagenen Putzstücken des Wandfreskos wurden 1980 auf dem Boden der Gruft unter dem Hauptchor gefunden.
Dort befindet sich ein enger, fensterlos überwölbter Raum. Unbestimmt sind sein Alter und sein ursprünglicher Zweck. Die Bauart und der archäologische Befund lassen keine bestimmte Deutung zu. Vertikalfugen im Mauerwerk könnten darauf hinweisen, dass einmal ein türbreiter Zugang vom Mittelgang her bestanden hat.
Spätestens von der Mitte des 17. Jh. an diente die Gruft als Beinhaus. Um Platz zu schaffen für eine Treppe musste folglich der kleine Anbau an den Chor angefügt werden; möglicherweise hatte zuvor ein Zugang von außen bestanden.
Im Zuge der Renovierung von 1662ff wurde auch der übrige Kirchenraum stark verändert und dem Zeitgeschmack bzw. den Bedürfnissen der reformierten Gemeinde angepasst, die einen saalförmigen Gottesdienstraum mit Platzreserve auf einer Empore benötigte:
die Arkadenwände zwischen den Schiffen wurde entfernt. In Verbindung mit einem neuen Dachstuhl wurde eine seitlich abgeschrägte hölzerne Kassettendecke über der Gesamtfläche eingezogen, die dem barocken Empfinden folgend eine Einheit des Raumes über die Deckenwölbung betont.
Das Ergebnis dieser barocken Umgestaltung von 1662 wurde im Verlauf der Renovierung von 1985 im Wesentlichen beibehalten. Ein Teil der alten Grabplatten wurde in der Kirche aufgestellt, einige sog. Familienstühle aus dem 17. und 18. Jh. lehnen an den Wänden und runden den Gesamteindruck ab.
Der untere Teil des Turms stammt aus dem 11. (oder 12.) Jh., die Blendfenster und der Zinnenfries aus spätgotischer Zeit von 1448.
Die Glockenstube birgt drei Glocken aus dem 13. Jh., von 1461 und 1484.
St. Martin ist heute im Besitz der Stadt llanz.
Der Evang. Kirchgemeinde ist es freigestellt, in dieser Kirche Abdankungen und von Mai bis November jeweils am dritten Sonntag Gottesdienst zu feiern

Öffnungszeiten:
Von Mai bis November am 3. Sonntag vor und nach dem Gottesdienst. Kontaktadresse: Evang. Pfarramt llanz, Tel: 081 925 14 33."

Quelle: Kleiner Kirchenführer (in der Kirche erhältlich)

Informationen (Wikipedia) zur Kirche St. Martin

Detaillierte Informationen in

HANS BATZ, Die Kirchen und Kapellen des Kantons Graubünden:
Band 2, Seite 150

sowie
ERWIN POESCHEL, Die Kunstdenkmäler des Kantons Graubünden:
Band IV · Birkhäuser Verlag Basel 1942
Scan zum Download (pdf) der entsprechenden Seiten 48 - 54 [1.783 KB]
mit freundlicher Genehmigung des heutigen Rechteinhabers
Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK, Bern

Die Fotografen der Abbildungen in Band IV [266 KB]

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Ilanz - St. Martin

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Marienbild Fresko am Turm außen (Westwand)

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Marienbild - Detail

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Marienbild - Detail

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Chorbogen - Detail

Chor - Detail

Kanzel

Familienstuhl

Pfarrstuhl

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Ilanz - Impressum

Evangelische Kirche St. Martin fotografiert am 26.10.2007
(c) 2011 Foto-Kunst Andreas Keller - Ehrenhalde 14, 70192 Stuttgart
Auf Kirchen-Online veröffentlicht am 07.08.2011

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