Mühlacker-Dürrmenz - Andreaskirche

Informationen / Links zu

Mühlacker-Dürrmenz - Andreaskirche

sind im Netz nicht zu finden, außer wenige Allgemeinhinweise:
"Im am rechten Enzufer liegenden alten, von Waldensern besiedelten Stadtteil Dürrmenz steht die Pfarrkirche St. Andreas aus dem Jahr 1585. Die Waldenser bekamen die ältere, ehemalige Pfarrkirche (und heutige Friedhofskirche) St. Peter am linken Enzufer für ihre Gottesdienste überlassen."
sowie:
"Das Gebiet der heutigen Stadt Mühlacker gehört anfangs zum Bistum Speyer und ist dem Archidiakonat St. Guido zugeordnet. Nachdem die meisten Orte spätestens seit Anfang des 16. Jahrhunderts zu Württemberg gehören, wird auch von dort nach 1534 die Reformation eingeführt. Zunächst gibt es nur Lutheraner. Die ab 1699 angesiedelten Waldenser sind jedoch reformiert und haben danach auch eine eigene Kirchengemeinde. Sie erhalten die alte Pfarrkirche St. Peter in Dürrmenz. Der lutherischen Gemeinde verbleibt die Kirche St. Andreas, die bereits 1408 Pfarrkirche geworden war."
beide Zitate: Wikipedia

Auf der Website der Kirchengemeinde sind keine Informationen zum Kirchbau zu finden.

Informationen auf www.kirchbau.de

1985 feierte die Gemeinde "400 Jahre Andreaskirche" und gab aus diesem Anlaß eine kleine Festschrift heraus. Dort wird über die Anfänge 1371 und den Kirchbau 1585 berichtet sowie die An-/Um- und Erweiterungsbauten in den Jahren 1612/14/16/50 und ist u.a. zu lesen:
Anno 1614 wurde die hiesige Kirche, weil sie der damaligen Bürgerschaft - so über die 250. Mann stark - zu eng ward, abgebrochen, und an deren Statt ein schönes hohes, hölzern gewölbtes Gebäu aufgerichtet, welches, weil es zu weit gespannt, und keinen Pfeiler, Durchzug oder einige Säulen hatt, bald angefangen zu sinken, also daß man mit höchster Gefahr den Gottesdienst darinnen verrichten mußte. Nachdem aber durch die 3 Hauptplagen, des Krieges, Theuerung und Pestilenz mit welchen der gerechte Gott unser Vaterland wegen überhäuften Sünden von ao 1634 bis 1649 gestrafet, die hiesige Gemeind abgenomen, daß in Dürrmenz und Mülacker endlich nicht mehr als 11 Bürger gewohnt, ja in diesem ganzen Maulbronner Oberamt nur noch 2 Pflüg ins Feld geführt worden, und das Simri Kernen 4f kostete. Als hat dieser Kirchenbau müssen anstehen, bis auf den Herbst 1650. Da dann die Bürgerschaft so in 47 Männern wiederum bestanden, die baufällige Kirch abgebrochen, und in 3 Monaten diesen gegenwärtigen Bau mit 3 Säulen und einem Durchzug wieder aufgeführt hat. Über 11 Jahre hernach, nämlich ao 1661 in die 90 Mann stark, selbigen auf amtliches freundliches Zusprechen ihres Pfarrers auch lassen mit biblischen Sprüchen und Gemälden zieren, zur schuldigsten Ehre Gottes, der uns von so vielem Übel erlösete, und noch dazu eine reiche Frucht und Weinernte beschehret hat.
Geschrieben durch Johann Wolfgang Walter, Maler von Pforzheim, den 20. Sept. 1661.
Die getreue Abschrift beurkundet den 31. Dec. 1815 Heil.-Pfleger zu Dürrmenz-Mülacker
Hettinger

In den Jahren 1955/56 wurde die Kirche innen grundlegend neu gestaltet (1981 dann auch außen).

Bemerkenswert ist diese kleine Kirche einerseits durch zwei Crucifixe, eines auf dem Altar, ein zweites - durch eine Chorschranke abgetrennt, in einer kleinen Chorapside - Taufkapelle, andererseits durch sehr schön gestaltete Emporensäulen, die von hohem handwerklichem Können der Zimmerleute zeugen. Zu den beiden Crucifixen ist in der Festschrift zu lesen:

Zwei Kreuze
Das nebenstehende Bild zeigt die beiden Kreuze in unserer Andreaskirche. Der Kruzifixus im Vordergrund auf dem Altar stand ursprünglich auf dem Kanzeldeckel. Im Februar 1939 finden wir dazu diese Notiz von Pfarrer Rieger im Gemeindeblatt:
Der Kruzifixus auf dem Kanzeldeckel in der St. Andreaskirche
Die Krönung unseres Kanzeldeckels ist ungewöhnlich. Ich vermute schon lang, daß es das alte Altarkreuz aus mittelalterlicher Zeit ist. Das hat mir in diesen Tagen ein genauer Kenner bestätigt, der es nach dem Stil als spätgotisch anspricht. Wenn wir einmal soweit sind, daß wir das Innere der Kirche herrichten können, ist zu überlegen, ob es nicht seine alte Ehrenstelle auf dem Altar wieder einnehmen kann. Zunächst freuen wir uns, daß ein Bildwerk alle die Stürme, die über unsere Ortskirche hingingen, überstanden hat.

Der hohe Kruzifixus im Hintergrund in der Taufkapelle stammt aus dem Jahre 1948 und wurde von dem Stuttgarter Künstler Karl Gläser geschaffen.

Alle Fotos sind durch Klick ins Bild 2 x vergrößerbar

Mühlacker-Dürrmenz - Andreaskirche

Mühlacker-Dürrmenz - Andreaskirche

Mühlacker-Dürrmenz - Andreaskirche

Mühlacker-Dürrmenz - Andreaskirche

Mühlacker-Dürrmenz - Andreaskirche

Mühlacker-Dürrmenz - Andreaskirche

Mühlacker-Dürrmenz - Andreaskirche

Crucifix - Altar

Im Hintergrund ist in der Taufkapelle das 2. Crucifix zu sehen

Crucifix - Altar

Crucifix - Altar

Crucifix - Altar

Crucifix - Altar

Crucifix - Altar

Crucifix - Altar

Crucifix - Chor / Taufkapelle

Karl Gläser (1948)

Crucifix - Chor / Taufkapelle

Crucifix - Chor / Taufkapelle

Kanzel (Orgel im Hintergrund)

Informationen zur Orgel

Orgel von E. F. Walcker, Ludwigsburg 1956 auf mechanischen Schleifladen
1993 Überarbeitung und klanglich teilweise Umgestaltung durch Fa. Friedrich Tzschöckel, Althütte-Fautspach
Disposition heute

Orgel-Disposition

Hauptwerk Positiv Pedal
Prinzipal 8’
Gemshorn 8’
Oktave 4’
Blockflöte 4’
Sesquialter 2f. 2 2/3’
Waldflöte 2
Mixtur 4f. 1 1/3’
Gedeckt 8’
Prinzipal 4’
Rohrflöte 4’
Oktave 2’
Quinte 1 1/3’
Zimbel 2-3f. 1’
Subbass 16’
Oktavbass 8’
Choralbass 4’
Holzposaune 8’

Sachverständiger war KMD Volker Lutz, welcher freundlicherweise diese Informationen zur Verfügung gestellt hat

Blick zur Empore

In der nachfolgenden Dashow sind die Emporenstützen, teilweise in Nahaufnahmen und freigestellt, v.l.n.r. gemäß obigem Foto zu sehen

Empore - Stützen

Mühlacker-Dürrmenz - Impressum

Andreaskirche fotografiert am 16.02. & 15.11.2008
(c) 2011 Foto-Kunst Andreas Keller - Ehrenhalde 14, 70192 Stuttgart
Auf Kirchen-Online veröffentlicht am 23.12.2011

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